700 Euro Grundeinkommen für alle!

Der Mensch im Strudel der Arbeitswelt
Letzter Abend in der Reihe Über-lebensfragen – Wie wollen wir arbeiten?

700 Euro Grundeinkommen für alle war eine von 5 Forderungen, die Dr. Wolfgang Kessler, Chefredakteur von Public Forum, in seinem Vortrag in Vockenhausen als Beitrag für ein stabiles, nachhaltiges Gesellschafts- und Wirtschaftssystem stellte. Vertrauen auf Wachstum sei trügerisch, führe zur nächsten Krise und begünstige eine Verteilung von unten nach oben, eröffnete Kessler seinen Beitrag. “Denken wir die Eurokrise mal weg, dann wäre alles prima!” , so Kessler. “Der Arbeitsmarkt blüht, die Steuern sprudeln, selbst die Jugendarbeitslosigkeit entspannt sich.”

Und doch habe jeder zweite unter 25 Jahren nur einen befristeten Arbeitsvertrag. Zu den wenigen gut bezahlten Fachkräften im technischen und kaufmännischen Bereich kämen die schlecht bezahlten sozialen Berufe und die große Zahl der prekären Beschäftigungsverhältnisse. Gleichzeitig kopple sich die Wirtschaft immer mehr ab von tatsächlicher Produktion hin zu Finanzspekulationen. Dabei sei die nächste Krise bereits vorprogrammiert.

Ausweg aus diesem Kreislauf böten 5 Punkte, die Kessler im folgenden referierte:
Investition des Staates in Bildung als einer der wichtigsten Ressourcen. Finanziert werden könnte diese Investition z.B. durch stärkere Besteuerung von Vermögen und Erbschaften.
Dazu müsste die soziale Sicherung nach unten kommen, z.B. durch Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns, der über 8,50 Euro liegen müsse um armutssicher zu sein. Einschränkungen von Minijobs und volle tarifliche Bezahlung der Leiharbeit müssten diese Maßnahme ergänzen.
Verbot von Leerverkäufen und Lebensmittelspekulationen plus Erhöhung des Eigenkapitals seien Bausteine zu einer anderen Bankenpolitik.
Nachhaltigkeit werde durch eine Verteuerung der Energie bei gleichzeitiger Auszahlung der Gewinne an die Bürgerinnen und Bürger gewährleistet, begünstige energiesparende Produktion und Lebensstil.
Schließlich setze ein Grundeinkommen von 700 Euro für alle, für Erwerbstätige als Steuerfreibetrag, Energien frei, neue Formen der Bürgerarbeit zu entwickeln, die in Zukunft immer dringender gebraucht werde.

Die lebhafte Diskussion im Anschluss bewies eindeutig, dass Kesslers innovative Forderungen gut angekommen waren. Birgit W.

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Veränderungen in der Arbeitswelt

Damit verbinde ich unter anderem auch zunehmende Arbeitsbelastung (für Mitarbeiter/innen und Führungskräfte), Verlust von Werten im Umgang miteinander, Reduzierung von Gestaltungsmöglichkeiten durch den einzelnen, “Sinnentleerung” der Arbeit durch zum Teil überzogene/n Zahlenorientierung/ Dokumentationsaufwand in vielen Bereichen…
Kein Wunder, dass es viele nicht mehr “schaffen”, krank werden, einen Burnout haben… und unsere Gesellschaft immer kränker wird – mit enormen Folgekosten!
M. E. spüren aber auch die Unternehmen, dass die Grenzen erreicht, ja überschritten sind; Arbeitsausfälle, Burnout wird zum Kostenfaktor!

Wo können wir ansetzen?

Erstens ist es wichtig, dass die Unternehmen und Betriebe und ihr Führungspersonal hinschauen, erkennen, dass Menschen anders “funktionieren” als Maschinen, dass es irgendwann auch einmal “Zuviel” ist – und dass dies nicht ein individuelles Problem des Einzelnen ist.
Es braucht also Mut, Verantwortungsbewusstsein und andere Wege als immer nur “noch mehr desselben”.
Zum Glück gibt es immer noch Manager und Führungskräfte, die ihre Verantwortung und Fürsorgepflicht wahr- und ernstnehmen!

Zweitens muss jede/r, der in einer schwierigen Arbeitssituation ist, überlegen, welchen “Preis” er/sie auf Dauer bezahlt (Stress, Gesundheitliche Dauerprobleme, Sinnentleerung, Unzufriedenheit …) und für sich Verantwortung übernehmen; das kann auch heißen: Grenzen aufzeigen, Konflikte eingehen, notfalls nach Alternativen suchen.
Ich bin überzeugt, die gibt es häufiger als man meint, wenn man erst einmal “preisbewusst” die Kosten des IST-Zustandes überschlägt…

Noch vieles könnte man dazu diskutieren!
Hervorragend, dass es diese Veranstaltungen gibt, die einen echten Dialog untereinander ermöglichen!
Rainer K.

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Zum Thema ARBEIT

fällt mir als Arzt ein:

Arbeit ist einem Vitamin vergleichbar; Über- und Unterdosierung sind schädlich und die Verträglichkeit ist von Mensch zu Mensch verschieden. Aber: Arbeit ist unverzichtbar für gesunde Erwachsene und wer meint, ganz ohne Arbeit auch recht gut leben zu können, macht sich etwas vor; er wird sich nämlich alsbald nach einem Ersatz umschauen – z.B. immer mehr Zeit in Hobbies, sog. Events oder Konsum aller Art investieren.

Was Arbeit heutzutage stärker als vor 20-30 Jahren zu einem gesundheitlichen Problem werden lässt, ist ihre Unüberschaubarkeit und Unregelmäßigkeit hinsichtlich solcher Faktoren wie Zeitvorgaben, Aufgabenverteilung und Personalentscheidungen. Wenn dann noch Kompetenzmängel beim Führungspersonal hinzukommen – Unaufrichtigkeit, menschliche Kälte, Arroganz oder im schlimmsten Fall Sadismus – , dann verabschiedet sich der/die Arbeitnehmer/-in durch Kündigung, „innere Emigration“ oder Krankheit. 

Das Burn-out-Syndrom beginnt fast immer mit Selbstzweifeln und Überforderungsgefühlen, auch Wut, und kann bis zum Vollbild einer Depression fortschreiten (dazu später und andernorts mehr). B. Kleineidam, Frankfurt

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Mobbing am Arbeitsplatz

Kill the Boss

Am Wochenend sah ich einen Kino-Film „Kill the boss“ – eine Komödie, die bei allen erheiternden Elementen auf das Problem Mobbing hinweißt:
3 Schulfreunde werden trotz engagierten Einsatzes von ihrem jeweiligen Chef entwürdigend, verletzend behandelt bzw. sexuell massiv bedrängt. Nach einer Phase, in der sie sich allabendlich in der Kneipe ihr Leid klagen und drohende Arbeitslosigkeit vor Augen immer neu zum Durchhalten motivieren, wird der Leidensdruck schließlich so groß, dass sie beschließen, ihre Chefs, bzw. ihre Chefin umzubringen.
Ab da driftet die Handlung ins Absurde ab. Nachdem letzendlich ohne ihren Plan und Willen der eine Chef den anderen erschießt, somit einer tot ist und einer im Gefängnis landet wächst der Mut, den Fall der sexuellen Belästigung gewaltfrei zu lösen.

Im anschließenden Gespräch war man sich zwar einig, dass hier vieles überzeichnet war, dass aber jede/r von uns Mobbing-Fälle kannte oder schon selbst erlebt hat.
Zwar gibt es zunehmend gesetzliche Maßnahmen, aber die Beweislage ist wegen der unterschiedlichen Machtstrukturen oft nicht einfach und sich der belastenden Situation durch Kündigung zu entziehen dank der Lage auf dem Arbeitsmarkt insbesondere für ältere ArbeitnehmerInnen oft nicht möglich.
Da sind starke Betriebsräte ein wichtiger Schutz.

Birgit W.

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Betriebsbedingte Kündigung

Hallo, zum wichtigen Thema Arbeit möchte ich berichten:

Mit  ungläubigem Erstaunen las ich diese Woche in der Lokalzeitung von der Kündigung eines 58-jährigen Tankwartes durch einen Mineralölkonzern. Der Mann hatte dort 43 Jahre gearbeitet, jetzt war er zu teuer!

Fragwürdige unternehmerische Entscheidungen führten zu ständiger Verschlechterung des Betriebsergebnisses. Die Beteiligung am rentablen Autowasch-Geschäft inklusive Service wurde gekappt. Auf der andern Seite wird ein verlustträchtiger Backshop weiterbetrieben.

Der Tankwart steht jetzt auf der Straße. Chancen auf dem heimischen Arbeitsmarkt sieht er keine. Das Arbeitsamt wollte ihn zum Jobben in die Schweiz schicken.

Ein Einzelschicksal? Ich bin sicher, derartige Fälle gab und gibt es viele. Und es sind auch um Jahre jüngere Arbeitslose schon auf ALG II angewiesen. Die nächste Katastrophe folgt unweigerlich: Altersarmut.

Was ist los mit diesem System? Wie lange soll das noch so weitergehen?

 Friedel G.  

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Von Arbeit und Alter verhunzt

 Malerei und Kritik – großbürgerlich und liberal

Bonn stellt Max Liebermann als „Wegbereiter der Moderne“ dar. Die Presse sieht ihn dagegen als Bourgeois, der sich in die „Fluchtburg des Spätwerks“ zurückzieht. „Liebermann schrumpft in seinem Wannseegarten vom weltmännischen Großbürger auf das Format eines Spießers.“

Max Liebermann, Gemüseputzerinnen

Liebermann zeigte in seiner frühen Schaffensphase als Erster in Deutschland die Menschen bei der Arbeit im ländlichen Milieu: Korbflechter, Weber, Kartoffelsammlerin, Ostfriesische Bauern beim Tischgebet, Mutter mit Kind, Eva, Gemüseputzerinnen … . Zur Belohnung machte ihn die Kritik zum  ”Apostel der Häßlichkeit”. Seine “Gemüseputzerinnen”  (1880) kommentierte die großbürgerlich liberale in Berlin maßgebliche „Vossische Zeitung“:

„Das Aufsuchen des widerlichst Abscheulichen, was es rohen verkümmerten, durch angeborene von Arbeit und Alter verhunzten Menschenbildern, speziell alten Dorfweibern in aller Welt nur geben mag, ist eine ganz eigentümliche Neigung.“

Der Text zeigt die Arroganz der großbürgerlichen Welt Berlins. Niemand wird ihn dem Maler Liebermann vorhalten und natürlich auch nicht seine großbürgerliche Herkunft. Liebermanns Spätwerk ist aber einzuordnen in das „aberwitzig goldene(n) Zeitalter der Belle Époque.” Auf seinen Gemälden zeigte er, wie ”sich entspannte Müßiggänger am Strand oder im Biergarten verlustieren.“

“Verdammte dieser Erde …” wurden dafür ausgebeutet. – ric 

Nachtrag: Paul Kirchhof, ”Wir verteilen von Arm zu Reich”, FAS, 21.08.2011. - ric

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Drei Arbeitgeber

Hallo,
ich war 45 Jahre lang berufstätig. In dieser Zeit wechselte ich 2 mal die Stelle. Je eine Bewerbung war notwendig. Die Verträge konnte ich gleich unterschreiben, drei Monate Probezeit waren vereinbart. Die Stellen waren unbefristet, was anderes gab es nicht!
Wenn ich jungen Leuten davon erzähle, bekommen die große Augen und sind sprachlos.

Wie soll es weitergehen?
Vielleicht lesen einige Politiker wieder mal Eucken und Müller-Armack und erinnern sich an Ludwig Erhard. Ich weiß, damals musste keine Regierung nach der schrillen Musik der “Märkte” tanzen.
Trotzdem oder deshalb: Sozial und gerecht muss es werden – weltweit!! Nur dann haben wir eine Chance auf dauerhaften Frieden. tl

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